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1856 – vor genau 170 Jahren – fanden Zisterzienserinnen aus den aufgehobenen Thurgauer Klöstern Kalchrain und Feldbach in Vorarlberg eine neue Heimat. Möglich wurde dieser Neuanfang dank Verbindung zum Kloster Wettingen. Sie wirkt bis heute fort. von Annina Sandmeier-Walt Die Geschichte des Klosters Mariastern-Gwiggen bei Hohenweiler in Vorarlberg beginnt nicht in Österreich, sondern im Kanton Thurgau. Dort entstanden im 13. Jahrhundert die drei Zisterzienserinnenabteien Kalchrain, Feldbach und Tänikon. Über Jahrhunderte waren sie Teil der zisterziensischen Klosterlandschaft und eng verbunden mit dem Kloster Wettingen. Verbunden mit Wettingen Das Kloster Wettingen hatte seit dem Mittelalter eine wichtige Aufgabe in der seelsorgerischen Betreuung, der Aufsicht und Visitation von Zisterzienserinnenklöstern. Die Wettinger Gemeinschaft stellte ab dem 17. Jahrhundert in insgesamt sieben Frauenklöstern in den heutigen Kantonen Aargau, Thurgau, St. Gallen und Zug die Seelsorger, so auch in Kalchrain, Feldbach und Tänikon. Diese sogenannten Spiritualen lebten vor Ort mit den Schwestern. Der Wettinger Abt übte zudem als «Pater immediatus» ordensrechtliche und aufsichtsbezogene Funktionen gegenüber den Frauenklöstern aus. Diese Verbindung zu Wettingen überdauerte sogar die politischen Umwälzungen des 19. Jahrhunderts, als alle Zisterzienserklöster in der Schweiz aufgehoben wurden, 1841 Wettingen, 1848 St. Urban und Hauterive. Mit der Bundesverfassung von 1848 entfiel die zuvor geltende Klostergarantie in der Schweiz, die noch 1841 zu grossen Kontroversen geführt hatte. Damals hatte der Kanton Aargau alle Klöster auf Kantonsgebiet aufgehoben. Zeichen der Verbindung von Wettingen-Mehrerau und Mariastern-Gwiggen: Besinnungstag im Kloster Mariastern-Gwiggen, 1981. In der Mitte mit Brustkreuz Abt Kassian Lauterer von Wettingen-Mehrerau und Äbtissin Agnes Fabianek von Gwiggen. Foto: Oskar Spang, Stadtarchiv Bregenz Permalink: pid.volare.vorarlberg.at/o:359556 Neue Lösung nach der Aufhebung So hob 1848 auch der Grosse Rat des Kantons Thurgau die drei Zisterzienserinnenklöster auf seinem Gebiet auf. Die Schwestern erhielten Pensionen und mussten ihre Klöster verlassen. Nach verschiedenen vorübergehenden Aufenthaltsorten suchten die Gemeinschaften nach einer nachhaltigen Möglichkeit, ihr klösterliches Leben fortzusetzen. Sie besichtigten leerstehende Klöster im Süddeutschen Raum und bemühten ihr Netzwerk, lange ohne Erfolg. Die Zisterzienser aus Wettingen fanden 1854 in der ehemaligen Benediktinerabtei Mehrerau bei Bregenz eine neue Heimat. Nach der eigenen geglückten Übersiedlung war es ein Vorschlag von Wettingen-Mehrerau, dass sich die Konvente von Kalchrain und Feldbach zusammenschliessen und in Vorarlberg einen Neuanfang wagen sollten. So erwarb Wettingen-Mehrerau 1856 das Schlösschen Gwiggen bei Hohenweiler und übergab es den Schwestern. Vor 170 Jahren Neubeginn in Gwiggen Am 30. Oktober 1856, also vor 170 Jahren, setzte Priorin Ida Schädler und vier ihrer Kalchrainer Mitschwestern mit dem Schiff über den Bodensee. Das Hab und Gut der Nonnen transportierte ein Schlepper, am Dampfer angehängt. Nach einem Halt in Mehrerau ging es mit Fuhrwerken weiter nach Gwiggen. So begann das bescheidene klösterliche Leben im Kloster Mariastern-Gwiggen. «Ausser uns weiss nur der liebe Gott, was wir hier im ersten Jahr unter Kälte und Hunger gelitten haben», soll Ida Schäli berichtet haben. Erst 1861 folgte die kirchliche Bestätigung des Klosters. Erste Kandidatinnen traten bereits 1857 ein, die aber offiziell erst mit der Bestätigung von 1861 mit ewigen Gelübden aufgenommen werden konnten.1869 schlossen sich auch die Schwestern von Tänikon an. 1876 stiess auch Agnes Stöckli aus dem aufgehobenen Aargauer Kloster Gnadenthal dazu. Sie war eine erfahrene Paramentenstickerin und führte diese Arbeiten als wichtigen Erwerbszweig im Kloster Gwiggen ein. Noch heute werden im Kloster liturgische Gewänder bestickt. Impressionen aus dem Klosterleben im Kloster Mariastern-Gwiggen: Arbeit im Garten (links), Schwestern beim Chorgebet. Novizinnen sind erkennbar am weissen Schleier. Foto zum Garten: Rudolf Zündel (Vorarlberger Nachrichten), Vorarlberger Landesbibliothek. Permalink: pid.volare.vorarlberg.at/o:200070. Foto zum Chorgebet: Oskar Spang, Stadtarchiv Bregenz. Permalink: pid.volare.vorarlberg.at/o:359983 Allen Widrigkeiten zum Trotz Die Gemeinschaft gewann stetig an Mitgliedern und aus dem ehemaligen Schloss entwickelte sich allmählich eine grosse Klosteranlage. 1896 wurde die neuromanische Klosterkirche fertiggestellt. 1987 erhielt der Kreuzgang mit dem Bau des Süd- und Westflügels seine heutige geschlossene Form. Aussergewöhnlich waren in der Geschichte Gwiggens zwei Umstände: Anders als viele Klöster wurde es während des Nationalsozialismus zwischen 1938 und 1945 nicht aufgehoben. Die Nonnen durften zwar keinen Nachwuchs aufnehmen, wurden staatlich überwacht und waren zum Krankendienst verpflichtet. Doch während die Mönche von Wettingen-Mehrerau 1941 enteignet und das Kloster aufgehoben wurde, konnten die Schwestern in Gwiggen bleiben. Und: Auch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelte sich Gwiggen anders als andere Klöster. Während viele Konvente in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit ausbleibenden Eintritten kämpfte, erlebte Gwiggen um 1980 nochmals klösterlichen Nachwuchs im zweistelligen Bereich. Heute leben 16 Schwestern im Kloster Gwiggen. Verbunden bis heute
Die Beziehungen zur Schweiz und zu den Mönchen von Wettingen-Mehrerau blieben während der vergangenen 170 Jahre wichtig. Spenden aus der Schweiz halfen der Gemeinschaft in Krisenzeiten und ermöglichten Umbau- und Erhaltungsarbeiten. Auch die seelsorgerische Begleitung durch die Mönche aus Wettingen-Mehrerau blieb bestehen wie auch der ordensrechtliche Status des Abts. Zu seinen Aufgaben gehört die regelmässige Visitation des Klosters. So blieb eine Verbindung bestehen, die politische Umbrüche, Klosteraufhebungen und Ortswechsel überdauerte. Weiterlesen:
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September 2026
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