Neue Klostergeschichte Wettingen
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Warum Heinrich nicht in der Klosterkirche liegt

27/5/2026

 
Auf den ersten Blick überraschend: In der Klosterkirche fehlt ein Grab des Gründers Heinrich von Rapperswil, der im Kapitelsaal begraben wurde. Stattdessen ruhen hier in zwei Sarkophagen Adlige der Familien Kyburg und Habsburg. Betrachtet man die Geschichte jedoch genauer, wird die Position der Gräber verständlich: Die Kyburger und Habsburger gehörten zu den frühen Förderern des Klosters.
von Bruno Meier
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Zeichnung des Kyburger Sarkophags in der Vorhalle der Marienkapelle von Laurenz Gaumpp in Marquard Herrgotts «Genealogiae diplomatica Augusta Gentis Habsburgicae», Bd. 1, 1737.
Die beiden mächtigen, etwa acht Tonnen schweren und aus Würenloser Muschelkalksandstein gefertigten Sarkophage der Kyburger und Habsburger stehen heute im Laienschiff des Klosters. Sie wurden nach der Renovation der Kirche 1993 dort platziert. Sicher seit dem Ende des 16. Jahrhunderts stand zumindest der Kyburger Sarkophag in der Vorhalle der Marienkapelle. Aufzeichnungen des Abtes Peter Schmid bestätigen dies und der St. Blasianer Mönch und Historiker Marquard Herrgott publizierte 1737 eine Zeichnung davon.
Skelette im Kyburger Sarkophag
Der Kyburger Sarkophag wurde vor der Mitte des 19. Jahrhunderts ins Innere der Kapelle verschoben. 1909, anlässlich einer Renovation der Kapelle, wurde der Sarg geöffnet. Darin lagen zwei durch eine hölzerne Zwischenwand getrennte Skelette: gemäss anthropologischer Untersuchung ein älterer Mann von 177 cm sowie ein jüngerer Mann von 163 cm Grösse. Es ist möglich, dass es sich dabei um Hartmann IV., den älteren, und Hartmann V., den jüngeren, handelt, die 1264 beziehungsweise 1263 verstorben waren. Der Sarkophag wird also aus dieser Zeit stammen. Der Deckel ist mit einem Flachrelief versehen, das ein Kreuz mit dem Lamm Gottes und das Kyburger Wappen zeigt. Der Vater von Hartmann dem Älteren, Ulrich III., der die Gründung von Wettingen mitermöglicht hatte und noch im Gründungsjahr verstarb, war im von ihm gestifteten Chorherrenstift Heiligberg bei Winterthur bestattet worden. ​
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Fotografie des geöffneten Kyburger Sarkophags nach 1909. Der Sarkophag ist in der Mitte mit einer Holzwand getrennt. Zumindest das eine Skelett des kleineren Mannes ist gut erhalten. Bild: Eidgenössisches Archiv für Denkmalpflege.
​Wer waren die bestatteten Kyburger?
​Die Grablege zeigt die enge Verbundenheit der Kyburger mit dem Kloster Wettingen, auch wenn sie selbst nicht die eigentlichen Stifter gewesen waren. Da Anna von Rapperswil, die erste Frau von Hartmann dem Jüngeren, im Kapitelsaal von Wettingen 1253 ihre letzte Ruhe fand, wäre zu vermuten, dass ihr Mann deshalb in Wettingen bestattet wurde. Sein Onkel folgte ihm ein Jahr später nach. Im Nekrologium von Wettingen ist für den 3. September eine Jahrzeitstiftung der Witwe Elisabeth von Chalon, der zweiten Frau von Hartmann den Jüngeren, verzeichnet. Der Todestag von Hartmann dem Älteren wird am 27. November vermerkt. 
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Standort des Kyburger Sarkophags in der Marienkapelle nach der Neuaufstellung 1909. Bild: Kantonale Denkmalpflege Aargau.
​Erst Albrecht, dann Rudolf von Habsburg-Laufenburg
Der zweite Sarkophag ist parallel mit einem vergleichbaren Flachrelief auf dem Deckel versehen, aber mit dem Wappen der Habsburger, dem aufsteigenden Löwen. Die Beschriftung und die farbige Bemalung sowie die Statuette, die König Albrecht I. darstellt, stammen aus der Zeit um 1570 und wurden von Abt Christoph Silberysen angebracht.
​Berühmt geworden ist die Grablege als vorübergehender Bestattungsort des bei Windisch am 1. Mai 1308 ermordeten habsburgischen Königs Albrecht I. von Habsburg-Österreich, der erst im Herbst 1309 nach Speyer überführt wurde und dort an der Seite seines Vaters die letzte Ruhe fand. Darauf nehmen die Beschriftungen von Silberysen Bezug. Im Jahr 1314 fand gemäss Silberysen Rudolf III. von Habsburg-Laufenburg, zweiter Ehemann von Elisabeth, der letzten Rapperswilerin, hier seine letzte Ruhestätte. Er sei in Montpellier auf dem Weg an den französischen Königshof verstorben und sein Leichnam nach Wettingen überführt worden. 
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Der Habsburger Sarkophag mit den Beschriftungen von 1570 am heutigen Standort im Schiff der Klosterkirche. Bild: Kantonale Denkmalpflege Aargau.
Rätsel um den Standort der Grablege
Der Sarkophag ist allerdings einige Jahrzehnte älter und wird aus einer ähnlichen Zeit stammen wie sein Gegenüber. Es ist deshalb zu vermuten, dass er schon früher als Grabstätte der Habsburg-Laufenburger diente, vielleicht für Rudolfs Vater Gottfried, der 1271 verstorben war. Wahrscheinlich steht der Sarkophag am ursprünglichen Ort. Allerdings kann es auch sein, dass die 1256 geweihte Marienkapelle als Grabkapelle gebaut worden ist und beide Sarkophage ursprünglich dort gestanden haben. Aufgrund der Quellenlage lässt sich dies jedoch nicht entscheiden.
 
 
Weiterlesen:
Windler, Renata: Grabstätten der Grafen von Kyburg. In: Die Grafen von Kyburg. Eine Adelsgeschichte mit Brüchen. Hg. von Peter Niederhäuser. Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich Bd. 82. Zürich 2015, S. 53–64.

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Verein Freunde des Klosters Wettingen

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Dr. Ruth Wiederkehr
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