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Der Überfall auf das Zisterzienserinnenkloster Magdenau am Jakobstag 1528 zwang die Ordensfrauen zur Flucht. Eine von ihnen war Elisabeth Geilinger. Sie liess die Ereignisse schriftlich festhalten, setzte sich für die Rückkehr ein und wurde später selbst Äbtissin. Mit dem Kloster Wettingen war sie eng verbunden. Denn hierher kam ihr Seelsorger. von Nathalie Weiss Obwohl Wettingen und Magdenau geografisch weit auseinanderliegen, sind die beiden Zisterzienserklöster eng miteinander verbunden. Magdenau gehört bis heute zu einem weitreichenden Netzwerk von Frauenklöstern, zu dem – je nach Zeitpunkt in der Geschichte – auch Feldbach, Frauenthal, Gnadental, Kalchrain, Selnau, Tänikon und Wurmsbach zählten. Diese Klöster waren keine isolierten Orte. Sie standen mit ihrem Umfeld in Verbindung. Geleitet wurden sie jeweils von einer Äbtissin. Zugleich waren als Zisterzienserinnenklöster Teil des Ordens und über die Wettinger Patres, die in den Klöstern als residierende Seelsorger walteten, miteinander verbunden. Magdenau im Wettinger Netzwerk Seit dem Spätmittelalter entsandte der Abt von Wettingen regelmässig einen seiner Patres nach Magdenau. Dieser feierte Gottesdienste, nahm die Beichte ab und begleitete die Klosterfrauen in religiösen Fragen. Der Wettinger Abt besass zudem Visitationsrechte und konnte überprüfen, ob das Leben im Kloster den Regeln des Zisterzienserordens entsprach. Während der Reformation zeigten sich jedoch die Grenzen dieser Ordnung. Die geistliche Verbindung zu Wettingen konnte die Frauen von Magdenau nicht vor der Gewalt in ihrer unmittelbaren Umgebung schützen. Damals lebten in Magdenau 24 Chorfrauen und drei Laienschwestern. Für sie war die Reformation keine rein theologische Auseinandersetzung, sondern zeigte sich ganz konkret in Drohungen, Sachbeschädigungen, Vertreibung und körperlicher Gefahr. Ein Angriff am Jakobstag Am Jakobstag des Jahres 1528 spitzte sich die Lage im Kloster erstmals dramatisch zu. Nach einer Kirchweih zog eine Gruppe Männer zum Kloster und versuchte, es zu stürmen. Die Frauen wurden beschimpft, bedrängt und sahen sich gezwungen, ihr Zuhause zu verlassen. Doch damit war die Gewalt nicht beendet. Bereits vierzehn Tage später kehrten die Angreifer zurück. Die Klosterfrauen mussten Teile ihres Besitzes aus dem Kloster schaffen und erneut fliehen. In der Fastenzeit folgte ein weiterer nächtlicher Überfall: Männer warfen Steine gegen das Gebäude, die laut der Quelle so gross wie Köpfe gewesen seien, und zerschlugen zahlreiche Fenster. Die Nonnen suchten daraufhin Schutz bei den weltlichen Verantwortlichen. Doch die Unterstützung blieb zögerlich und unzureichend. Selbst der eingesetzte Vogt soll aus Furcht vor dem Widerstand in der Bevölkerung gezögert haben. So waren die Klosterfrauen den Angriffen weitgehend ausgeliefert. Die Stimme einer betroffenen Frau Dass wir von diesen Ereignissen wissen, verdanken wir einer zehnseitigen handschriftlichen Überlieferung. Sie schildert Vorgänge aus den Jahren 1528 bis 1532 und entstand vermutlich im Zusammenhang mit einem rechtlichen Verfahren. Im Zentrum steht die Perspektive der Nonne Elisabeth Geilinger. Die Quelle sollte gegenüber den eidgenössischen Orten und einem Schiedsgericht darlegen, was den Frauen widerfahren war. Sie war deshalb kein neutraler Bericht, sondern ein Mittel, mit dem die Klosterfrauen ihre Erfahrungen festhielten und ihre Ansprüche begründeten. Gerade darin liegt ihre Bedeutung. Die Quelle überliefert nicht nur Gewalt und Vertreibung, sondern auch weiblichen Widerstand. Die Frauen beschrieben, was geschehen war, benannten Verantwortliche und forderten Schutz, Besitz und Rückkehr ein. In einer politischen und rechtlichen Ordnung, in der Entscheidungen mehrheitlich von Männern getroffen wurden, versuchten sie, sich mit den verfügbaren Mitteln Gehör zu verschaffen. Elisabeth Geilinger verliert ihre Zuflucht Elisabeth Geilinger verliess das Kloster im Jahr 1529. Nach ihrer Schilderung holte ihr Bruder Wolfgang sie angesichts der gefährlichen Lage in Magdenau zu sich. Drei Jahre lebte sie bei ihm. Doch auch diese Zuflucht währte nicht lange: Ihr Bruder kam im Krieg zwischen Zürich und den fünf katholischen Orten ums Leben. Elisabeth beschrieb sich danach als noch schutzloser als zuvor. Nach dem Friedensschluss verlangte sie, wieder in ihr Gotteshaus aufgenommen zu werden. Mehrfach wandte sie sich an die zuständigen Stellen im Toggenburg. Als sie keine eindeutige Antwort erhielt, reiste sie im Mai 1532 selbst nach Baden und trat dort vor die eidgenössischen Vertreter. Die Rückkehr nach Magdenau Die Verhandlungen zogen sich hin. Dabei ging es nicht nur um die Erlaubnis zur Rückkehr, sondern auch um die Wiederherstellung der Zellen, den Zugang zum Besitz und finanzielle Bedingungen. Schliesslich wurde entschieden, dass das Kloster in seiner bisherigen Form wiederhergestellt werden sollte. Elisabeth Geilinger konnte nach Magdenau zurückkehren. Zwischen 1536 und 1550 leitete sie das Kloster als Äbtissin. Aus der vertriebenen und zeitweise schutzlosen Klosterfrau wurde die Vorsteherin jener Gemeinschaft, deren Fortbestand wenige Jahre zuvor noch unsicher gewesen war. Ihre Geschichte zeigt, dass die Frauen von Magdenau nicht nur Betroffene der Reformation waren. Sie handelten, verhandelten und kämpften um den Fortbestand ihrer Gemeinschaft. Eine Geschichte, die bis nach Wettingen reicht
Zugleich erinnert ihre Geschichte daran, dass das Kloster Wettingen Teil eines weitreichenden institutionellen Netzes war. Der Wettinger Abt betreute nicht nur seine eigene Gemeinschaft. Er übernahm entsandte Priester als Seelsorger – in Magdenau auch den Dorfpfarrer – und wachte durch Visitationen über die gemeinsame Ordenspraxis. Die Krise von Magdenau war deshalb auch eine Krise dieses Netzwerks. Die Gewalt vor Ort konnte durch die Verbindung zu Wettingen nicht verhindert werden. Dennoch zeigt gerade diese Beziehung, wie eng Klöster über grosse Distanzen hinweg miteinander verbunden waren. Dieser Beitrag entstand im Rahmen des Kolloquiums «Geschichte in der Praxis: kommunizieren und vermitteln» im Frühjahrssemester 2025 am Historischen Seminar der Universität Zürich. Die Autorin, Nathalie Weiss, studiert im Bachelor Geschichte im Hauptfach und Religionswissenschaft im Nebenfach an der Universität Zürich. Neben ihrem Studium arbeitet sie im Kundensupport und Marketing bei der Firma kirchenweb.ch. Zum Weiterlesen:
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